Antifa-Demo in Athen, 9.2.13

2000 demonstrieren am Samstag in Athen gegen Nazipartei Chrysi Avgi. Griechische Neonazis wollen in Deutschland Fuß fassen.

In der Athener Alexandrasstraße, zwischen dem Hauptquartier der städtischen Polizei und dem Büro der Nazipartei „Goldenen Morgenröte“ („Chrysi Avgi“) versammelten sich am Samstag Nachmittag rund 2000 Menschen, um gegen Faschismus, Rassismus und die andauernde Gewalt gegen Migranten zu protestieren. Die friedliche Demonstration, zu der unter anderem die in der jüngsten Umfrage des Meinungsforschungsinstitut Public Issue stimmenstärkste Partei SYRIZA, das Linksbündnis ANTARSYA und die antiautoritäre Bewegung Alpha Kappa aufgerufen hatten, sah sich bereits nach wenigen Minuten einem starken Polizeiaufgebot der Sondereinsatzeinheit MAT gegenüber, die mit Gasmasken und Schilden ausgerüstet den Weg zum Büro der Chrysi Avgi versperrte. Trotz der Provokation kam es zu keinen Zwischenfällen.

Die Goldene Morgenröte, die Umfragen zufolge bei den nächsten Wahlen drittstärkste Kraft werden könnte, fiel indessen in den vergangenen Wochen wieder durch zahlreiche Übergriffe auf. Vor zwei Wochen wurde ein Schüler in der Athener Vorstadt Paleo Faliro nach einer verbalen Auseinandersetzung mit einigen Faschisten Opfer einer Messerattacke, am 2. Februar griff eine Gruppe Neonazis nach einer Demonstration der Chrysi Avgi das soziale Zentrum „Villa Zografou“ an. Am Donnerstag zogen dann etwa 40 Anhänger der Goldenen Morgenröte fremdenfeindliche Parolen rufend vor eine Einrichtung der Hilfsorganisation Médecins du Monde (MdM) im Athener Vorort Perama, wo sie versuchten, die Angestellten durch ihr aggressives Auftreten einzuschüchtern. In einer ersten Stellungnahme gegenüber AFP verurteilten sowohl Nikitas Kanakis, der Präsident der griechischen Sektion von MdM, die sich um die medizinische Versorgung von Migranten kümmert, als auch der Menschenrechtskommissar des Europarats, Nils Muiznieks, den Angriff scharf.

Indessen versuchen die Faschisten offenbar, ihren Einfluss auf im Exil lebende Griechen auszuweiten. Medienberichten zufolge unterhält Chrysi Avgi Kontakte sowohl zur NPD wie auch zu dem sogenannten Freien Netz Süd, einer militanten Neonazikameradschaft. Eine erste Zelle der Goldenen Morgenröte soll bereits in Nürnberg bestehen. Ilias Kasidiaris, Sprecher der Partei, räumte dem britischen Guardian zufolge die Bemühungen, eine Exilorganisation zu schaffen, ein, und betonte die „massenhafte Unterstützung für die Bestrebungen der Goldenen Morgenröte, nicht nur in Deutschland, sondern überall, wo Griechen in der Diaspora leben“.

Anders sieht das die griechische Gemeinde in Nürnberg. „Einstimmig und kategorisch“ wende man sich gegen die Gründung einer Zweigstelle der Chrysi Avgi in Nürnberg. „Rassistische Parolen, intolerante Botschaften und das Schüren von Fremdenfeindlichkeit, Spaltung und Ängsten haben keinen Platz in der Griechischen Gemeinde. Diejenigen, die die Renaissance der Neonazis in der Stadt Nürnberg erwünschen, benötigen dringend psychiatrische Hilfe, werden immer ein Fremdkörper sein und werden von allen lebenden Griechen in unserer Region als Feinde angesehen.“


Straßensperre vor dem „Chrysi Avgi“ Büro


Rund um das Büro ihrer Freunde aus der „Goldenen Morgenröte“ passen die Bullen besonders gut auf